Unverhofft kommt oft

von SV Assai am 12.11.2020 / in Feedreader

In dieser Woche bin ich Strohwitwe. Alex musste spontan für einige Tage weg, um einem Freund zu helfen. Innerhalb von 24 Stunden fällt die Entscheidung, wird gepackt und Freitag früh bei strömendem Regen geht es los. Es regnet hier so gut wie nie, aber natürlich jetzt, wo er mit Gepäck unterwegs ist.

Den ganzen Tag schüttet es aus Kübeln, was die Himmelstore hergeben. Kurz frage ich mich, ob ich produktiv sein will, schaue aus dem Fenster und lege lieber noch einen Scheit Holz in den Ofen. Der läuft den ganzen Tag, um die Feuchtigkeit zu vertreiben. Ein kurzer Gang zur Toilette und ich bin völlig durchnässt. Da ist der Ofen super, um meine Sachen zu trocknen und sich schnell wieder aufzuwärmen.

Regenguss

In einer kleinen Regenpause laufe ich nur schnell vor zu unserem Dinghi und lasse dort gefühlte 100 Liter Wasser raus. Dann fängt es wieder an zu dröppeln und ich gehe bei Vera vorbei, die in dem Büro sitzt, wo Dave (der Manager der Yard, wo wir vorher standen) nie da ist. Sie hat einen wunderbaren Humor, der meinen genau trifft und da wir beide nichts zu tun haben, verquatschen wir eine gute Stunde, bis es mir zu kalt wird.

Am Abend läuft das Internet aus. Wir haben hier so eine tolle Karte, die unser eigenes WLAN generiert, aber die muss man alle 30 Tage aufladen. Heute ist es soweit und ich habe es in der ganzen Aufregung einfach vergessen. Der Laden hat noch offen, ich könnte noch hinfahren und verlängern. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass es gerade kurz trocken ist. Ich wage es und ziehe mich an. Regenjacke auf dem Roller wird schon passen.

Kaum biege ich um die erste Ecke fängt es an zu drizzeln. Nicht schlimm, dafür hab ich die Jacke. Angekommen bei dem Laden freue ich mich, dass niemand vor mir in der Schlange steht. Allerdings weiß ich auch gleich, warum. Systemabsturz. Nichts mit verlängern. Aber da gibt es noch einen zweiten Laden, der hat auch noch offen. Weitere fünf Minuten auf dem Roller. Als ich wieder aus dem Geschäft komme, drizzelt es nicht mehr nur, es ist schon ordentlicher Nieselregen. Was solls, jetzt bin ich ja schon mal unterwegs.

In den fünf Minuten auf dem Roller beginnt der Regen dann leider richtig und als ich auf den Parkplatz beim Continente einbiege, merke ich, wie das kalte Wasser von der Regenjacke runter in meine Hose läuft. ARGH.

Hier bekomme ich glücklicher Weise das was ich haben will und bin schnell wieder draußen, bevor ich eine kleine Pfütze in dem Laden hinterlasse. Als ich wieder herauskomme, hat der Himmel vollends seine Schleusen geöffnet und es schüttet, was das Zeug hält. Nun ist guter Rat teuer. Soll ich warten, dass es weniger wird? Am Morgen hat das drei Stunden am Stück so gegossen. So lange will ich nicht warten. Kalt ist mir eh und nass bin ich ja auch schon. Wat soll der Geiz, frage ich mich und schwinge mich auf den Roller.

Soll ich losfahren oder warten bis es weniger wird?

Ich brauche zwar nicht lange, denn die Straßen sind so gut leer, aber in den paar Minuten Heimfahrt fühle ich mich, wie ein geprügelter Knabe. Der Regen wird durch den Fahrtwind ziemlich unangenehm, während mir weiter das kalte Wasser von der Regenjacke in die Hose läuft. In kleinen Bächen. Ja, es ist so widerlich, wie es klingt. Spaß ist anders.

Als ich endlich wieder daheim angekommen bin, hört es dann auch wieder auf mit regnen. Toll. Danke! Super witzig. Während ich innerlich Petrus anmaule, klettere ich wieder ins warme und kuschelige Boot, wo ich sofort den Ofen wieder anheize und alle Klamotten aufhänge, zum trocknen. Im kuscheligen Pyjama hocke ich dann mit einem heißen Tee vor dem Ofen und schaue den Flammen beim tanzen zu. Da ist die Welt dann wieder in Ordnung.

Der Ofen bollert
Da wird es mir schnell wieder warm

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