Umankern

von SV Assai am 03.10.2021 / in Feedreader

Seit einigen Wochen nun liegen wir vor Bug- und Heckanker. Das System hält ganz hervorragend. Leider ist der Standort, den wir gewählt haben, irgendwie zwar zentral, aber auch so weit weg von unserem Stückle. Daher entscheiden wir uns nun, wo wir uns nicht mehr um den Hund kümmern müssen, umzuankern. Näher an das Stückle. Da sind wir eh jeden Tag.

Als wir die Anker im Mai gesetzt haben, hatten wir uns vorgenommen, mindestens einmal in der Woche die Maschine laufen zu lassen. Hat super geklappt, sie lief seither kein einziges Mal. Nach den Erfahrungen beim letzten Mal, wo die Maschine sich ja nun hat arg bitten lassen, sind wir entsprechend neugierig, was sie jetzt wohl tut. Nun, Alex Gesicht nach zu urteilen stellt er sich auf das Schlimmste ein.

Einmal Flüssigkeiten prüfen, dann Luft anhalten und Schlüssel drehen. Sie startet sofort! Ich bin schon tief beeindruckt davon, dass es so leicht ging, dann geht sie zwei Sekunden später wieder aus. Kurze Freude.

Nächster Versuch, etwas mehr orgeln, sie will nicht. Irgendwo hat sich wohl wieder Luft ins System geschlichen. Aber nach fünf Minuten mehr oder minder guten Zuredens und viel Versuchen, läuft der Motor. Rund. Es kommt Wasser aus dem Auspuff, kein Qualm, alles wie es soll. Gut.

Dann erst am vorderen Anker Kette geben, so dass Alex hinten Kette einziehen kann. Mann, sind wir froh um die Headsets, die wir haben. Sonst müssten wir uns über das Schiff hinweg anbrüllen und keiner würde den anderen richtig verstehen. So aber stehe ich vorne, Alex hinten, wir haben beide die Hände frei und können ganz normal miteinander sprechen. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich die Headsets toll finde?

Wir haben schon viele Geschichten gehört, dass dieser Fluss „Kette frisst“. Durch den ehemaligen Erzabbau weiter flussaufwärts ist der Eisengehalt im Wasser recht hoch. Das muss irgendwie mit den Bestandteilen der Ankerketten reagieren und somit rosten die Ketten hier wohl schneller weg, als anderswo. Daher sind wir sehr gespannt, wie unsere Ketten nun aussehen. Die Kette des Heckankers sieht aus wie neu. Das Herausziehen geht auch gut und nun kommt der vordere Anker dran.

Die Kette sieht etwas mitgenommener aus beim Hochziehen, aber weit entfernt von Drama. Gut. Der Anker braucht wie jedes Mal etwas mehr Überredung, um auszubrechen. Wenn er einmal sitzt, dann scheint er sich auch bis nach China graben zu wollen. Wir sind sehr glücklich mit unserem System.

Dann ziehen wir bei strahlendem Sonnenschein und so gut wie keinem Wind unsere Kreise. Auf der Karte haben wir uns einen Spot ausgeguckt, wo es von der Tiefe gut wäre. Es herrscht gerade Springtide, gut, so wissen wir, ob bei Niedrigwasser auch noch genug Wasser unterm Kiel ist. Wahrscheinlich wäre der Grund eh schlammig und eine Grundberührung kein sonderliches Problem, aber nach der Erfahrung im letzten Jahr wollen wir das gerne um jeden Preis vermeiden.

So fahren wir mit Schleichfahrt einige Male am Grundstück vorbei, etwas weiter nach vorne, mal hier mal da. Nach der vierten Runde haben wir uns entschieden. Nah an dem Grundstück, parallel zu dem Feigenbaum soll es sein. Da haben wir die beste Wassertiefe und sind so nah wie möglich an der Finca.

Also, vorne Anker wieder raus, der noch nicht mal trocken geworden ist. Bei drei Meter Wassertiefe greift der Anker sofort und wir rucken etwas ein. Gutes Gefühl, wenn man schon weiß, dass er hält. Dann wie immer mit der Maschine rückwärts und gucken, ob er weiterhin hält. Tut er, Strömung und 1600 Umdrehungen rückwärts ziehen an dem Anker und nichts tut sich. Der hält. Schön. Jetzt der Heckanker.

Wir haben zwar eine Winsch für den Heckanker, die funktioniert aber nur, wenn man den Anker hochziehen will. Abwärts muss man das Ding von Hand schmeißen. Ich lasse vorne also weiter Kette raus, bis wir da sind, wo der Heckanker liegen soll. Sechzig Meter Kette liegen nun vorne im Wasser. Der Heckanker fällt und während ich die Kette vorne wieder einhole, gibt sie Alex hinten raus.

Neuer Ankerplatz

Auch das klappt super, wir ziehen Assai zwischen beiden Ankern fest und müssen nun einmal Hoch- und einmal Niedrigwasser abwarten. Niedrigwasser, um zu sehen, ob die Wassertiefe unter’m Kiel noch passt und Hochwasser, um die Kettenlängen besser aufeinander abzustimmen. Jetzt gucken wir wieder vermehrt auf unsere schicke App, die uns sagt, wie weit das Boot von seiner bestimmten Position weg ist. Aber alles bleibt da, wo es ist und wir sind sehr happy mit der neuen Position des Bootes.

Unser Boot kann man jetzt vom Steg aus sehen

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