Back to the Roots

von sy-inti am 11.12.2021 / in Allgemein

„Hey, wir segeln!“ Wir schauen uns an und ein breites, zufriedenes Grinsen macht sich auf unseren Gesichtern breit. Was wir vor einem Jahr erstmal für unmöglich gehalten haben ist wahr geworden. Die Chance, ein Segelboot von Holland nach Cuxhaven zu überführen, tat sich auf und wir zögerten nicht lange.

Die malerische Stehende Mastroute durch die Kanäle Frieslands tingeln wir ab bis in die Nordsee.

Der Unterschied zum Fahrtensegeln liegt auf der Hand: schmale Kanäle, Brücken, die sich manchmal erst durch Funkkontakt mit den Schleusenwärtern öffnen und Schleusen, die vernünftiges Festmachen erfordern-keine Seepassagen ohne Kontakte nach außen, tagelange Stille auf dem Funk und am Ende das Ankerwerfen in einer malerischen Bucht. So nicht! Hier ist ein Rummelplatz an Sportboottourismus, wieder grüßen wir fröhlich alle naselang die vielen vorbeiziehenden Segler und erfreuen uns an der abwechslungsreichen Strecke der Mastroute.

Doch als erstes kommt ein Gefühl der Wehmut auf: Erinnerungen werden wach, denn wir passieren die Marina, in der wir damals unsere INTI besichtigten und ziemlich spontan kauften! Auf der weiteren Strecke: Verschlafene Dörfchen, längere Strecken durch kleinere Städtchen, Windmühlen, Kühe, Plattbodenschiffe, das quirlige Groningen. Direkt in der Stadt liegt die Marina. Wir stürzen uns ins Leben: Springen für die rasenden Fietsen (Fahrräder) zur Seite, schnuppern die Gerüche der vielen internationalen Restaurants, dominierend ist allerdings der Geruch von Fritten und Kibbeling, typische holländische Küstenkost.

Die Nordsee empfängt uns freundlich und wir holen die Segel raus! Freie Fahrt nach Borkum! Der Nordseesegler kennt es natürlich: in der Hochsaison ist Päckchenliegen angesagt. Das letzte Mal war das für uns vor acht Jahren in Brunsbüttel am Ende des Nord-Ostsee-Kanals auf dem Weg nach Bremen. Da kommt lustiges Volk zusammen, Familien spielen Gesellschaftsspiele im Cockpit, ein Holländer hängt im Mast, um seine Wanten zu reparieren und die deutsche Gastlandflagge anzubringen.

Im Restaurant gibt es unzählige deutsche Fischspezialitäten und kühles gezapftes Bier, drinnen Holzvertäfelung und Bratkartoffelgeruch. Dünen und Nordseegras, das sich leicht im Winde wiegt. Doch der Wetterbericht warnt uns vor. Ein Tiefdruckgebiet mit ordentlich Wind und Regen nähert sich. Wir befreien uns aus dem Päckchen und flitzen noch schnell nach Norderney. Seezeichen, betonnte Fahrwasser, Passagierfähren, Arbeitsboote vom Offshore-Windpark, die Schiffe der Küstenwache und natürlich die unzähligen weißen Segel der vielen Urlauber. Soviel Verkehr! Kaum in Norderney festgemacht, fängt es an zu pusten. Das Geräusch ist immer gleich: das Rauschen des Windes an Deck, aber auch die unzähligen Klappergeräusche von anderen Booten, wo Falle nicht fest angezogen wurden, ein Sturmkonzert vom Feinsten. Trotzdem laufen wir zum langen Strand und werden fast umgeweht. Erbarmungslos werden unsere Beine vom feinen Sand rasiert, es knirscht in den Zähnen. Etliche Drachen fliegen am Himmel, mutige Kitesurfer haben sich hinausgewagt, das Meer schäumt.

Als der Spuk vorbei ist, setzen wir, im strömenden Regen, Segel und nehmen die Etappe nach Cuxhaven in Angriff, der Eigner wartet schon. Die Nordsee ist grau und flach. Ungewohnt. Containerschiffe ziehen vorbei, Untiefen müssen umschifft werden, langsam wird der Himmel blau. Im milden Nachmittagslicht dann der Strand von Cuxhafen-gleich sind wir da! Aber nein, so schnell soll es nicht gehen, wir haben die Rechnung ohne die geltenden Regeln gemacht: Vor der Marina gibt es noch eine Brücke und die öffnet nur stündlich. Fünf Minuten zu spät sind wir. Also klaren wir noch endgültig auf und nach einer Stunde nimmt der glückliche Bootsbesitzer die Leinen zum Festmachen entgegen. Seine Frau ist gerührt: “Ihr strahlt ja so! Wie schön, euch so ankommen zu sehen!“ Und ja, wir haben es einfach genossen. Wieder auf einem Segelboot zu sein, auf dem Wasser und den Wind um die Ohren zu spüren.

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